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Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft

Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft

Andrea Biertümpfel
Telefon: 03641 683-190
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Durchwachsene Silphie

Die Durchwachsene Silphie (Silphium perfoliatum L.) gehört zur Familie der Korbblütengewächse und stammt ursprünglich aus dem Osten Nordamerikas. Die Nutzungsdauer der Staudenpflanze wird in der Literatur bei zweischnittiger Beerntung zum Zweck der Viehfütterung mit 15 Jahren angegeben. In Versuchen zur einschnittigen Beerntung sind 8 Jahre bei stabilen Erträgen dokumentiert.

Die Etablierung der Bestände kann sowohl durch Pflanzung vorkultivierter Jungpflanzen als auch durch Direktsaat erfolgen, wobei eine Bestandesdichte von ca. 40.000 Pflanzen/ha anzustreben ist. Bei der Direktsaat müssen aber 10 bis 15 Samen/m² ausgebracht werden, da trotz Saatgutbehandlung die Auflaufraten nur 80% erreichen. Im Anlagejahr bildet die Pflanze eine grundständige Blattrosette die für eine Beerntung ungeeignet ist. Ab dem zweiten Standjahr treiben die Stauden im zeitigen Frühjahr aus den Wurzelstöcken erneut aus und bilden die typischen vierkantigen langgestreckten Stängel mit den markanten Blattpaaren.

Bild: TLL/2013
Durchwachsene Silphie

Hinsichtlich des Bodens sind die Pflanzen relativ anspruchslos. Optimal sind humose tiefgründige Böden mit guter Wasserführung und einem neutralen bis schwach sauren pH-Wert. Für den Anbau nicht geeignet sind staunasse Standorte. Die Silphie ist relativ tolerant gegenüber Trockenstress und kann durch ihr gut entwickeltes Wurzelwerk einen großen Bodenbereich zur Wasserversorgung nutzen. 

Vor der Saat bzw. Pflanzung sollte eine Herbstfurche, eine feuchtigkeitsbewahrende Saatbettbereitung bzw. die Herstellung eines feinkrümeligen Pflanzbettes im Frühjahr erfolgen. Da die Pflanzen im ersten Anbaujahr relativ langsam wachsen und zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine zugelassenen Herbizide für diese Kultur existieren, sollte bei der Auswahl der Vorfrucht auf unkrautunterdrückende Eigenschaften geachtet werden. Als Nachfrucht ist Getreide geeignet, um eventuelle auftretenden Durchwuchs der Silphie nach dem Umbruch der Bestände kontrollieren zu können.

Die Düngung erfolgt zur Pflanzung bzw. zur Aussaat und jeweils zu Beginn eines jeden Vegetationsjahres. Bei einer Ertragserwartung von 150 bis 180 dt Trockenmasse pro ha beträgt der N-Sollwert ca. 150 kg N/ha. Die Versorgung anderer Makronährstoffe erfolgt nach Entzug und sollte nach regelmäßigen Bodenuntersuchungen auf die Gehaltsklasse C eingestellt werden. Im Vergleich zu anderen Kulturen hat die Pflanze einen hohen Magnesiumbedarf. Der Einsatz von Gülle oder Biogasgärresten ist problemlos möglich. Der Wiederaustrieb nach der Ernte  bietet auch die Möglichkeit einer leichten Güllegabe im Herbst.

Die Silierung des Erntegutes verläuft analog der Maissilierung. Da die Durchwachsene Silphie einen hohen Futterwert besitzt, ist die Silage sowohl als Viehfutter als auch als Koferment in Biogasanlagen geeignet. Optimale Trockensubstanzgehalte sollten zwischen 26 und 28 % liegen, wobei in der Praxis auch bei geringen Trockensubstanzgehalten nur wenig Sickersaftbildung beobachtet wurde. Gegenwärtig dominiert die Verwertung als Biogassubstrat.

Beim Einsatz der Silage in einer Biogasanlage sind die etwas geringeren Methanausbeuten zu beachten, die aber durch die leicht höheren Trockenmasseerträge kompensiert werden, so dass pro Hektar vergleichbare Methanhektarerträge zu erreichen sind. Um die Pflanze erfolgreich in der landwirtschaftlichen Praxis zu etablieren, ist es erforderlich, das Anbauverfahren, die Unkrautbekämpfung und die Verarbeitung weiter zu optimieren. Hierzu erfolgen gegenwärtig im Rahmen eines von der FNR geförderten Projektes Versuche zur Direktsaat, zur Aussaat unter Deckfrucht sowie Herkunftsprüfungen und Herbizidversuche an verschiedenen Standorten Deutschlands. Ein weiterer Schwerpunkt ist die züchterische Bearbeitung der Pflanze.

Weitere Informationen befinden sich im Anbautelegramm "Durchwachsene Silphie" (PDF).